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24. Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel - 30 Friedensengelrunden

Der Weg ist das Ziel – 30 Friedensengelrunden

Tag 30: 31.1.2014 – Noch 183 Tage bis zur Hochzeit

Nach mehr als einer Woche stehe ich wieder um 7 Uhr auf um zu laufen. Habe gewichtstechnisch in letzter Zeit keine Fortschritte gemacht und die Erkenntnis gewonnen, dass dem Bauchfett nur durch Laufen Herr zu werden ist. Außerdem heiße ich ja Running Radek und nicht Squashing Radek.

Habe mir gestern zum Abendessen ein Omlett gemacht. Ich weiß, dass man das eigentlich anders schreibt, aber wir sind ja nicht in Schweden! Eier, Schafskäse, Schinken. Jede Menge Eiweiß. Deswegen bin ich wahrscheinlich einigermaßen wach. Ich mache mir vor dem Lauf einen Bananenshake, schnüre meine Schuhe und setze mich in Bewegung. Mittlerweile hat der Winter Einzug erhalten, was die Sache nicht einfacher macht. Lasse es langsam angehen. 30 Friedensengelrunden warten auf mich.

Das letzte Mal, als ich hier war, drehte die Fußballnationalmannschaft gerade den Film „Running Radek“. Jetzt hab ich den liebevoll „Frieder“ genannten Parkour wieder für mich allein. Sammle für jede Runde ein Stück Schnee. Die ersten 10 Runden sind schnell gedreht. Dann meldet sich der Schweinehund wieder zu Wort. In den darauffolgenden Runden male ich mir aus, wie ich ihm einen Stock in den Arsch ramme und ihn auf offener Flamme wendenderweise grille, wie es mein Körper mit der Tüte Fett über meinem stählernen Sixpack machen soll. Mhm… Schinken! Als ich die Hälfte geschafft habe, gönne ich mir einen Bissen vom Grüntee-Fruchtriegel, den mir mein Kollege Michael zusammen mit einem ganzen Korb voller Fitness-Essen zur Unterstützung geschenkt hat.

Grüntee-Fruchtriegel gibt mir Kraft für weitere 15 Runden

Grüntee-Fruchtriegel gibt mir Kraft für weitere 15 Runden

Die zweiten 15 Runden sind reine Willenssache. Die richtige Motivationsmusik lässt mich mit Kopfkino die Monotonie des Treppauf-Treppabs vergessen und Rockys beste Kämpfe Revue passieren. Nimm das, Apollo Creed! In your Face, Clubber Lang! Fahr zur Hölle, Ivan Drago!

Weiterer Motivations-Tipp: keine schlechten Gedanken an einen ranlassen und Phrasen wie „aufgeben“, „nicht mehr können“, „sterben wollen“ und „am Arsch lecken“ aus dem Wortschatz streichen. Stattdessen einreden, dass es Spaß… naja, wenigstens Sinn macht. Idealerweise denkt man überhaupt nicht, sondern tut es einfach.

Ehe ich mich versehe hab ich 30 Runden geschafft und habe sogar Gänsehaut, als ich das letzte und damit 30. Stück Schnee platziere. Vielleicht liegts auch daran, dass ich so langsam war und es ziemlich kalt ist. Verzehre den letzten Rest Grüntee-Riegel und trete den Heimweg an. Durchbreche dabei erstmals seit Trainingsbeginn am 2.1. Die Schallmauer von 12 km/h auf dem Teilstück Kirchenstraße! Trotz 30 Friedensengelrunden in den Knochen laufe ich den letzten Kilometer mit einem für mich beinahe sensationellen Schnitt von 11,6 km/h. Mein Soll für heute ist mehr als erfüllt. Dennoch gibts natürlich die ein oder andere Einheit mit dem Fitnessrad. Überlege, ob ich das im großen Stil vertreiben soll. Immerhin haben es schon mindestens zwei Leute auf meinen Tipp hin gekauft. HSE würde es bestimmt mit Handkuss ins Sortiment aufnehmen, wenn ich in ein paar Monaten meine Vorher-Nachhergeschichte an das Fitnessrad kopple.

Fazit nach einem Monat Fitness-Training:

Gewicht: 87,8 Kg (stagniert)

Laufdistanz: 80 Kilometer

Squash: 9x (1 Sieg, 8 Niederlagen)

Fußball: 1x

Friedensengel-Runden: 101

Fitness-Rad: 20 Wiederholungen 3x am Tag

unscheinbares Teil, aber große Wirkung

Fitness-Rad

Ernährung: krasses Verlangen nach Burgern

Fazit: Ohne Laufen ist das Gewicht relativ konstant geblieben. Habe mir vor allem auf meinem Frankfurt-Ausflug abends Pizza und Burger reingehauen. Zu Beginn des zweiten Trainings-Monats werde ich wieder jeden 2. Tag Laufen und abends möglichst eiweißhaltig essen.

Außname ist der Sonntag, der 2.2. an dem ich mit Eve eine nächtliche Superbowl-Party mit Burger und Budweiser-Bier feiern werde. Falls jemand am 3.2. ebenfalls frei hat oder danach direkt in die Arbeit gehen will: das Neumarkter-Stadion hat noch Plätze frei. Als alter South-Park-Fan bin ich natürlich für die Denver Broncos, für die dort sogar in der Kirche gebetet wird, während Seattle höchstens aus den Simpsons bekannt ist, weil es der lustigste Name für eine Stadt ist, den man sich vorstellen kann. Also: Let’s go, Broncos!

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18. Running Radek – Der Film

Radek-Darsteller bei den Dreharbeiten zu "Running Radek - Der Film"

Radek-Darsteller bei den Dreharbeiten zu „Running Radek – Der Film“

Tag 19: 20.01.2014 – Noch 194 Tage bis zur Hochzeit

Habe gestern eine Pause eingelegt. Die erste seit ich am 2. Januar mit dem Training angefangen habe. War etwas geplättet von der Geburtstagsparty meines Bruders Al Vegas, wo ich durch extrem Barkeeping eine Nachtschicht eingelegt habe. Da traf es sich gut, dass mein Privatarzt Doc Snyder mir reglmäßige Pausen vom Sport verordnete. Er mache sich Sorgen um meine Knochen, wenn ich das Programm 200 Tage durchziehen würde. Also verbrachte ich den ganzen Sonntag auf der faulen Haut um heute wieder anzugreifen. Die Nachwirkungen sind noch in Form von Müdigkeit zu spüren, aber das wird sich schon geben, wenn ich erstmal draußen in der großen, kalten Welt bin. Zusätzlich mixe ich mir einen Bananenshake. Und Milch soll ja auch gut für die Knochen sein.

Versuche im Laufen noch ein bißchen zu schlafen, aber das klappt nicht so gut, weil am Montag Morgen die ganzen Arbeiterameisen eine eigentlich gerade Strecke zu einem Hindernislauf machen. Dem nicht genug muss ich ungläubig mitansehen, wie so ein Idiot seinen rattenähnlichen Hund mitten auf den Bürgersteig scheißen lässt. Diese Stadt geht vor die Hunde. Aber der Höhepunkt kommt ja erst noch. Als ich am Friedensengel ankomme, da stehen da diese ganzen Arschlöcher. Wollen die mich verarschen!? Ist der Friedensengel jetzt etwa sowas wie eine Touristenattraktion? Wollen sie jetzt dann Busse voller Asiaten herkarren, damit die auch mal eine Runde laufen können? Auf Nachfrage wird mir bescheinigt, dass dort ein Film gedreht wird. Alles klar! Das wurde aber auch Zeit! Da läuft man sich knapp 20 Tage die Hacken blutig und dann merkts auch Hollywood – oder zumindest die Bavarria Filmstudios. Jetzt ist mir auch klar, warum da 20 Klone von mir herumhampelten. Für jede Runde einer. Wäre ja unmöglich, wenn das ein einziger Radek-Darsteller machen müsste. Man lässt ja auch keinen Reinhold Messner-Darsteller alleine den Nanga Parbat besteigen. Geschweige denn den Lhotse.

Frage mich, wer mich wohl spielen wird. Anfangs bestimmt Philipp Seymore Hoffman oder der Typ, der den Bruder von Cameron Diaz in Verrückt nach Marry gespielt hat. Nach einem Schnitt und der Einblendung „200 Tage später“ wahrscheinlich Jason Statham. Oder aber vorher und nachher Method-Actor Christian Bale, der sich erst 20 Kilo anfuttert und dann locker wieder abtrainiert. Oder was meinst du?

13. Sowas wie Spaß

Ein Teil für jede Runde am Friedensengel

Ein Teil für jede Runde am Friedensengel

Tag 13: 14.01.2014 – Noch 200 Tage bis zur Hochzeit

Ich stehe um 8 Uhr auf, weil ich Besuch vom Beauftragten für Praktikumsvergabe von der FOS bekomme. Ich werde demnächst wohl einen Praktikanten mein Eigen nennen dürfen. Das passt gut zu meinem Neujahres-Vorsatz „weniger Arbeiten“. Denn Arbeit hält einem vom Sport ab und bedeutet Stress. Stress führt zu Heißhunger und lässt Fett ansetzen. Also lieber arbeiten lassen, als arbeiten. Ist dann auch schon mal eine gute Vorbereitung auf den Vorruhestand, in den ich mich nach der Hochzeit begeben werde und vom Verfassung von Fitness- und Erziehungs-Ratgebern leben werde. Aber zurück in die Vergangenheit.

Nach dem Gespräch schnüre ich meine Laufschuhe und starte mit aufreizend lässiger Langsamkeit. Erstmals in diesem Jahr nieselt es, wenn ich laufe. Das stört mich aber nicht, im Gegenteil. Die abgas-verpestete Stadtluft ist dadurch besser zu ertragen. Bei der ersten Ampel habe ich ein ungewohntes Gefühl. Ich hätte sogar noch weiter laufen können! Ich lasse die Beine laufen und versuche den Oberkörper möglichst ruhig und aufrecht zu halten. Das funktioniert ganz gut und ich steigere langsam das Tempo. Pro Kilometer ein Km/h mehr. Beim Friedensengel komme ich nach knapp 15 Minuten an. Dort erwarten mich heute 13 Runden. Mir graust davor, aber zum Glück habe ich mein Pulver nicht schon auf dem Hinweg verschossen. Damit ich die Rundenanzahl in meinem sauerstoff-untersättigten Hirn nicht mitzählen muss, sammle ich pro Runde ein Müllstück auf (siehe Foto) und erfindet damit das ökologische Fitness-Training.

Warum ich eigentlich immer am Friedensengel laufe willst du wissen? Nein? Ich erzähls trotzdem. Als ich vor mehr als fünf Jahren nach München gezogen bin, lief ich regelmäßig mit meinem Satt-Fußball-Kollegen Hennes. Da wir damals noch fitter waren, war uns das ebenerdige Urban-Running nicht genug und wird wollten uns richtig auspowern. Unter der Devise, wer Treppen laufen kann, kann auch Flachstücke laufen. Auch, wenn die Laufeinheiten über die letzten fünf Jahre sukzessiv abgenommen haben, ist der Friedensengel immer ein fester Bestandteil eines München-Laufs. Außerdem ist der Wechsel von Anstrengung (aufwärts) und Entspannung (abwärts) effektiver als ein konstantes Tempo. Und welcher Freak will schon auf gerader Strecke Intervall-Training machen!?

Ich drehe also meine Runden am Friedensengel wie Rotor des besten Lieds, das je geschrieben wurde: Helicopter. Dfdfdfdf dfdfdfdf! Dabei verwirre ich den GPS-Satelliten anscheinend, so dass die Runtastic-App abstürzt. So habe ich keine exakten Trainingsdaten. Aber, schlau wie ich bin laufe ich den gleichen Heimweg, so dass ich die Daten vom Hinweg verdoppeln kann. Trotz der Rekord-Rundenanzahl von 13 habe ich auf dem Rückweg das erste Mal gute Laune und so etwas wie Spaß am Laufen. Morgen wird dennoch wieder Squash gespielt.

Fazit

  1. langsam los laufen

  2. Beine laufen lassen

  3. Oberkörper aufrecht halten

Habe mich gestern auch an der Low-Carb-Küche versucht und ein Hühner-Chili gekocht. War ganz ok, aber jetzt auch nicht so krass, dass ich es jeden Tag brächte. Wenn jemand leckere Low-Carb-Rezepte weiß, dann bitte her damit!

7. Die Hölle Haidhausen

Die Hölle von Haidhausen

Die Hölle von Haidhausen

TAG 7: 8.1.2014, 6:00 Uhr – 206 Tage bis zur Hochzeit

Unruhig geschlafen. Fast schon froh, dass ich heute schon um 6 Uhr aufstehen „darf“. Gerade einmal vor 8 Stunden habe ich Squash (Sportart!) mit meinem Bruder K gespielt. In einer Stunde knapp 1000 Kalorien verbrannt und Muskelkater in Oberschenkeln und sogar in den Schienbeinen davon getragen. Würde mich Eve nicht jeden Tag wie einen Spitzensportler pflegen, würde ich mich wohl nicht mehr rühren können. So springe ich aus dem Bett und schwebe elefantengleich durch die Hölle von Haidhausen. Der Schweinehund grellt (Mischung aus Grunzen und Bellen) mir schon nach wenigen Metern im Militär-Jargon in Ohr: „Ring the Bell! Gib auf! Es ist vorbei!“ Ich überlege daraus einen Motivationssong zumachen, lache diabolisch und entgegne: „Da ramm ich mir eher eine Gabel ins Auge!“

Erreiche den Friedensengel in neuer persönlicher Bestzeit. Dort treffen auch gerade Luke und Drill-Sergeant Sarah zum November Project -Workout ein. Bin mal gespannt, welchen perfiden Plan sich der Drill-Sergeant wieder ausgedacht hat. Heute weniger Work-out, dafür mehr Laufen – vor allem Steigungen. Trifft sich gut, ich wollte eh gerade meine obligatorischen Friedensengelrunden drehen. Heute 7 Runden! Das ist aber nur die erste Station, bei dem, was Drill-Sergeant Sarah als „Zirkel“ bezeichnet.

Station 2 ist ein kleiner Lauf mit Steigungen. Um Luke bei Station 3, den Burpees, abzulösen. Also vom Regen in die Traufe. Mein Bruder Markus, der ein Burpee-Fetischist ist meinte: Niemand mag Burpees, aber sie mögen einen auch nicht.

Wenn die wüssten, wie oberflächlich ich die Burpees nur ausführe um Kraft für den Heimweg zu sparen. Lache erneut diabolisch und beende das November Project vorzeitig. Die Treppen alleine reichen mir heute.

Immerhin laufe ich den kompletten Heimweg durch die Hölle Haidhausen, Heimat von meinem Freund Veitzbauer, dem Panther von Haidhausen. Ich bin wohl eher der Büffel von Berg-am-Laim.

Als wäre das nach 7 Tagen Sport in Folge nicht schon eine Leistung setze ich sogar noch zu einem 400-Meter langen Endspurt an. Langsam glaube ich, dass ich selbst der Schweinehund bin und mich irgendeine andere Macht antreibt, die viel stärker ist.

Dafür gibts Zuhause einen ganz besonderen Cocktail. Zu meinem täglichen, frischgehechselten Orangen-Limetten-Cocktail gebe ich auch noch eine frische Ingwer-Knolle, eine Prise Zimt, Kurkuma und Cayenne Pfeffer. Schmeckt geil. Fehlt nur noch ein bißchen Tequila und ein Strohhalm.

Eine Woche intensives Training liegt hinter mir.

Zwischenbilanz

40 Kilometer gelaufen

1 Stunde Squash (Sportart)

100 Liegestützen

500 Situps

5000 Kalorien verbrannt

90,5 Kilo

Morgen ist Laufpause und es gibt wieder ein Work-Out.

6. Laufdepression

St. Lukas München

St. Lukas – Evangelische Kirche im Lehel / München

7.01.2014 – 6:59 Uhr – Tag 6

Radek – Schweinehund 6:0.

Sport: Laufen

Distanz: 7 km

Friedensengelrunden: 6

Zeit: 48 Minuten

Kalorien: 700

Ich bin schon wach, bevor der Wecker klingelt. Scheinbar hat sich meine innere Uhr bereits an den neuen Rhythmus gewöhnt. Routiniert stehe ich auf, zieh mich an und gehe laufen. Bis zum Friedensengel läufts ganz gut mit einem für mich sehr guten 11 km/h-Schnitt. Am Friedensengel laufe ich zu Ehren des 6. Trainingstages 6 Runden.

Das Müllersche Volksbad war einst das größte Schwimmbad der Welt!

Das Müllersche Volksbad war einst das größte Schwimmbad der Welt!

Der Weg führt mich weiter am Ostufer der Isar vorbei am Maximilianeum, der Praterinsel, der evangelischen St. Lukas Kirche (siehe Foto) bis zum Müllerschen Volksbad an der Ludwigsbrücke. Das war bei seiner Fertigstellung 1901 das größte und teuerste Schwimmbad der Welt! Dort haben Luke und Sarah gestern Markus Babbel getroffen. Ich bin aber leider zu früh dran. Kein Babbel in Sicht.

Der Gasteig in Haidhausen ist die Heimat derMünchner Philharmoniker

Der Gasteig in Haidhausen ist die Heimat derMünchner Philharmoniker

Ab dem Gasteig ist die Luft raus wie aus der Messingtuba, die dort rumsteht. Nicht umsonst kommt der Name nicht von einer Teigsorte sondern von „gacher Steig“, was bedeutet, dass es steil bergauf geht. Die letzten beiden Kilometer laufe ich wieder und komme ausgebrannt zu Hause an. Körper und Geist sind leer. War ich die letzten Tage immer stolz, dass ich es geschafft hab, fühle ich mich jetzt einfach nur leer. Ich fürchte ich habe eine Laufdepression. Mir hängts zum Hals raus jeden Tag um 7 aufzustehen und mich zu quälen.

Die Lösung: Morgen um 6:00 Uhr aufstehen!

6:30 Uhr treffe ich mich wieder mit Luke und Sarah zum November Project am Friedensengel.

Heute abend spiele ich aber erstmal Squash (Sportart) mit meinem Bruder K.

5. November Project

Workout "November Project" in München am Heilig-Drei-Königs-Tag

Workout „November Project“ in München am Heilig-Drei-Königs-Tag

Tag 5: 6.1.2014, 6:30 – Noch 208 Tage bis zur Hochzeit. Fröhliche Weihnachten nach Spanien und Armenien!

Trotz Feiertag – oder gerade deswegen – wird wieder gelaufen. K0nnte sogar Eve motivieren. Haben uns für 7:30 mit Sarah und Luke am Friedenengel verabredet um am ‚November Project‘ teilzunehmen. Man läuft früh morgens von Zuhause los um sich an einem vereinbarten Ort mit Gleichgesinnten zum Work-Out zu treffen. Das Ganze wurde in Boston vor zwei Jahren gestartet und Sarah hat es dort in während ihres Studiums kennen und lieben gelernt.

Die 2,5 Kilometer zum Friedensengel sind relativ locker absolviert. Anschließend laufe ich fünf Treppenrunden, da heute mein fünfter Trainingstag ist.

Während wir auf Luke und Sarah warten läuft uns ein echter Fuchs über den Weg. Da Eve ihn auch gesehen hat, lags wohl doch nicht am Sauerstoffmangel in meinem Hirn.

Drill-Sergeant Sarah erklärt uns die Kunst des November Projects. Eine App namens Ripdeck, die aus einem Kartenstapel mit 50 Karten besteht, gibt per Zufallsgenerator eine Übung mit der Anzahl an Wiederholungen zwischen 2 und 13 vor. Insgesamt gibt es 100 Push-ups (Liegestützen), 100 Sit-ups, 100 Squats (Kniebeugen), 100 Jumping Jacks (Hampelmänner, ich nenne sie Helicopter) und 40 Burpees (Liegestütze-Strecksprung-Kombi).

Luke und Sarah machen dieses Monsterprogramm schon seit geraumer Zeit und ziehen es komplett durch, während ich mir nach Ca. 40 Liegestützen bei den Push-up-Karten Auszeiten gönne. Ebenso bei den noch krasseren Burpees.

Dennoch halte ich mich überraschend gut und ziehe alle Sit-ups, Helicopter und Hampelmänner durch ohne zu kotzen. Stolz und glücklich trennen sich unsere Wege von Luke und Drill-Sergeant Sarah. Die Stauner treffen auf ihrem Heimweg Fußball-Superstar Markus Babbel! Da ich ein großer Fan von ihm bin, werde so grün vor Neid wie die Limette, die ich gerade in meinen Orangen-Limetten-Cocktail schnipsle.  Muss unbedingt ein Foto mit ihm haben! Beschließe jetzt jeden Morgen um 8.30 Uhr an der Isar entlang zu laufen, da ich Markus Babbel als Gewohnheitsläufer mit festen Terminen einschätze. Also bis Morgen, Markus! Ich geh jetzt erstmal wieder ins Bett.

Als ich um 12 Uhr wieder aufwache habe ich höllen Hunger. Schlecht gelaunt bin ich schon seit Beginn meiner Essens-Enthaltsamkeit. Mein Körper schreit förmlich nach „normalem“ Essen! Eve reagiert sofort und macht mir ihre berühmten „Eve-Nudeln“! Nudeln sollen ja angeblich glücklich machen. Dem stimme ich definitv zu! Ich werde es mit der Diät nicht mehr so eng nehmen. Einmal am Tag sollte man schon was vernünftiges Essen. Bringt ja nix, wenn ich aussehe wie Adonis, aber schlecht gelaunt bin wie Adolfis.

Passend dazu erklärt im ZDF ein sympathischer Ernährungswissenschaftler namens Uwe Knupp, dass man Essen soll, worauf man Lust hat. Er meint, dass man beim Abnehmen ganz zum Schluss bei der Ernährung ansetzen sollte.

Guter Spruch: Man wird nicht zwischen Weihnachten und Silvester dick, sondern zwischen Silvester und Weihnachten.

Guter Tipp: Nur essen, wenn man Hunger hat.

Radek 5 – Schweinehund 0!

Nächster November-Project-Termin: Mittwoch, 8.1.2014 um 6:30 Uhr am Friedensengel.

3. Fett kennt keine Samstage

Radek Gump auf seinem Weg zum Eisbach in München

Radek Gump auf seinem Weg zum Eisbach in München

4.1.2014, 7:00: Herp Alperts „Spanish Fly“ ertönt, als ich schon längst wach liege. Vorfreude? Mit Nichten. Aller guten Dinge sind drei? Wohl kaum. Trotz Eve’s ausgiebiger physiotherapeutischer Behandlung meiner Beine am Vorabend während dem besten Film aller Zeiten, „Forrest Gump“, mit Pferdesalbe fühlen sich diese wie Blei an. Doch ich nehme mir Forrest zum Vorbild. Er hatte auch Schuhe von der griechischen Siegesgöttin. Run! Radek! RUN!  Nicht lange überlegen! Machen! Ganz nach dem Motto: Verlierer reden immer davon ihr bestes zu geben, Sieger machen es und vögeln die Ballkonigin! (Sean Connery in ‚The Rock‘).

Wiege mich vor dem Laufen um festzustellen, dass es eine blöde Idee ist sich morgens zu wiegen. Abends wäre objektiver, wenn man eine Tagesbilanz zieht. Deswegen lasse ich die schmeichelhaften 90,9 Kilo unter den Tisch fallen.

Habe gestern einen üppigen Salat und jede Menge Obst gegessen. Außerdem gabs ein kleines Workout mit 150 Situps und 60 Liegestütze als Fleißarbeit.

Gesunde Ernährung mit Salat

Salat à l`Eve Vegas

Samstag, 7 Uhr morgens. Tschau! Wie oft bin ich diese Uhrzeit erst heimgekommen und hab mich über Leute lustig gemacht, die so früh auf der Straße sind… Jetzt habe ich die Seıten gewechselt. Zumindest heute.

Nach nicht mal 500 Metern springt mich etwas von hinten an und beißt mich. Ein Stechen unterhalb des rechten Schulterblattes. Hexenschuss. Denke sofort ans Umkehren, aber rette mich bis zur nächsten Ampel. Wenn ich bis hierher laufen kann, vielleicht kann ich dann auch noch bis zur Ecke Grillparzerstraße laufen. Wenn ich bis hierher laufen kann, vielleicht kann ich dann auch noch zum Max-Romeo-Platz laufen. Als ich dort ankomme, laufe ich einfach weiter, obwohl ich mir während dem Lied ‚Helicopter‘ von Blocparty genau das wünsche. Also einen Heli, keine Party. Drei Runden Friedensengel machen mich fertig, aber mein Ziel war eigentlich der Eisbach.

Stehende Welle

Die stehend Welle mitten in der Stadt: Der Eissbach in München

Vorwärts! Nach 3,5 Kilometern erreiche ich ihn. Wasser soll ja angeblich Kraft geben. Es stimmt, der Eisbach übt auf mich eine gewisse Anziehungskraft aus. Ich würde am liebsten hineinspringen und heimfloaten. Hm… Vielleicht im Sommer. Ich mache am Ufer der stehenden Welle 5 Minuten Pause. Nicht mal die Surfer wollten heute so früh raus. Ich bin müde, so sehr sogar. Ich glaube ich geh wieder heim.

Die Verlockung in den Bus zu steigen ist groß. Laufe also auf der Gegenseite entlang. Egal, wie lange es dauert, ich werde auf meinen eigenen Beinen hinkommen. Die letzten Reserven werden heraus gekitzelt, als mich ein Mann in einem Mobility Scooter überholt. Empfehlung: South Park; Staffel 16, Folge 9: „Raising the Bar“) So einem Schicksal will ich entgehen! Also Schlussspurt nach Hause!

Der Trend aus Amerika: Fortbewegung mittels elektrischen Scootern

Der Trend aus Amerika: Fortbewegung mittels elektrischen Scootern

Nach mehr als einer Stunde und sieben Kilometern presse ich mir vier Orangen aus und exe den Cocktail. Eve behandelt sofort meinen Hexenschuss mit Pferdesalbe. Ich bin ja auch ein toller Hengst mamamama… Die Frage ist nur, ob das Produkt FÜR Pferde ist, oder AUS Pferden. Da bekommt man gleich Hunger, was! Das Frühstück habe ich mir verdient. Danach gehts zum Hochzeits-Ringe shoppen.

Morgen ist Sonntag. Da gibts eine Laufpause. Aber dafür wird gework-outed… Hört sich irgendwie schwul an.

2. Kein Zuckerschlecken

Radek am Maximilianeum

3.1.2014 – Der zweite von 211 Tagen Fitnesstraining bis zur Hochzeit

Tag 2, 3.1.2014, 7:00 Uhr
Wieder katapultiert mich ein zu laut eingestellter Klingelton in die harte Realität zurück. Suche noch nach dem passenden Wake-up-Song, wenn es den für so eine unchristliche Uhrzeit überhaupt gibt. Vielleicht Iron Maiden oder Black Sabbath… Der Workout-Song aus Rocky war gestern noch die falsche Wahl. Mein Vorbild mag vielleicht den Klang eines Gonges. Meins ist es nicht. Das heutigige Lied von Tim McMorris „It’s a beautiful Day“ ist schon sehr ironisch. Das folgende, melancholische „Golden Brown“ von The Stranglers scheint mir da schon passender, da es in dem Lied, glaub ich, um die goldene Bräune von Schweinebraten geht. Mit Knödel und Soße! Mhm!
Auch, wenn Ernährungswissenschaftler jetzt wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Gestern gabs zur Belohnung am Abend einen leckeren Burger. Aber damit ich mir nicht ganz so sündig vorkomme trank ich ein Hibiskus-Ingwer-Getränk dazu. Tschau! Was ist aus mir geworden!? Mit einem halben Liter Bananenshake bin ich auf rund 1000 Kalorien an diesem Tag gekommen. Auch, wenn ich kein Fan von Diäten bin, achte ich am Anfang darauf nicht komplett zu sündigen. Meine Beine wollen nicht soviel Masse rumschleppen. Deswegen: Süßigkeiten oder Fressorgien müssen zunächst noch warten. Es wird kein Zuckerschlecken.
Die Beine tun noch weh von gestern, aber es ist der falsche Tag zum kneifen. Zumal das Bett gestern wiederholt unter meiner Last zusammengebrochen ist. Kein Witz. Klar ist es schon alt, aber es war schon irgendwie ein Zeichen – dass ich endlich ein neues Bett kaufen muss.
Wichtig ist: nicht wieder zu schnell loslaufen. Langsam in Bewegung setzen wie eine Lokomotive und dann das Tempo steigern – oder auch nicht. Es geht in die zweite Runde: Mann gegen Schwein(ehund). (Zitat aus „Die nackte Kanone 2 1/2“ als Ed gegen Hektor Savage boxen will.)
Im Schutz der Dunkelheit rollt der Radexpress los. Gestern wars dunkler. Liegts am Sonnenzyklus? Ist Einbildung? Oder eine Metapher für „Licht am Ende des Tunnels“? Wahrscheinlich liegts dran, dass ich 15 Minuten später los gelaufen bin als gestern.
Die ersten beiden Kilometer sind kein Problem. Diesesmal ohne Gopro-Kamera um die Brust bekomme ich auch besser Luft. Das Maiximilianeum ist in 15 Minuten erreicht.  Wo sonst ist Laufen jedes Mal eine Sightseeing-Tour!? An der Isar flussab weiter zum Friedensengel.

Der Münchner Friedensengel bei Sonnenaufgang am 3. Januar 2014

Der Münchner Friedensengel bei Sonnenaufgang am 3. Januar 2014

S für Super-Radek am Friedensengel

S für Super-Radek am Friedensengel

Da steht er wieder, der arrogante Sack! Zweiter Tag – zwei Runden. Das Kerzenherz mir dem S für „Super-Radek“ motiviert mich ungemein. Da ich unten angekommen bin muss ich sogar noch ein drittes Mal hoch. Damit sind die Kräfte für heute auch schon wieder aufgebraucht. Der restliche Heimweg ist Stop-and-go. Sehne mich jedesmal nach der nächsten Ampel. Vielen Dank an Kool Savas (That Smut Part 2) und Ben Moody (The End has come), die mich auf dem letzten Kilometer mit lauthalsem Geschrei unterstützt haben! Ohne euch hätte ich es nicht geschafft!
Die letzten Meter denke ich daran, dass ich längst zu Hause sein hätte müssen um Eve Kaffee ans Bett zu bringen! Das kitzelt den letzten Funken Kraft aus meinem schlaffen Körper. Zuhause Stelle ich fest, dass sie sich schon selbst einen gemacht hat. Ich muss schneller werden! Immerhin bin ich heute schon 0,5 Kilometer weiter gelaufen als gestern und das in 42 statt 40 Minuten.
Radek 2 – Schweinebratenbauch-Hund 0.

Live-Verfolgen und Anfeuern kann man mich über https://www.runtastic.com/de/benutzer/Radek-Vegas
Morgen ist Samstag. Sollte ich mir da eine Regenerationspause gönnen?

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